Historische Textiltechniken

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00:00:13: Hallo, mein Name ist Andrea.

00:00:15: Ich bin Teil des Teams im Mammuts – dem Museum für Urgeschichte und historische Archäologie in Mistelbach und Schloss Aspern an der Zeia.

00:00:24: Im Mammut-Podcast beschäftigen wir uns mit vierzigtausend Jahren Menschheitsgeschichte.

00:00:30: In der heutigen Folge spreche ich mit Mina Kaiser über historische Textiltechniken.

00:00:37: Sie ist eine Fachfrau für Gewichtsweben, Brettchenweben Kammweben Handspinnen Nadelbinden und Gewandschneiderei.

00:00:52: Mina ist eine freischaffende Künstlerin, zwei Schwerpunkte prägen ihre Arbeit.

00:00:58: Ein Schwerpunkt ist das Zeigen des Handwerks – und darüber hinaus auch die Lebensweise einer Handwerkerin in der jeweiligen Epoche.

00:01:06: Der zweite Schwerpunkt sind Auftragsarbeiten wie die Stücke, die Mina für die aktuelle Ausstellung im Mammutsmuseum Misslebach angefertigt hat.

00:01:15: Aber dazu kommen wir später.

00:01:17: Mina, schön dass du da bist.

00:01:18: Ich freue mich auf unser Gespräch!

00:01:21: Ja vielen Dank für die Einladung.

00:01:23: ich bin schon sehr gespannt wie es wird.

00:01:27: Gleich zu Anfang möchte ich wissen was fasziniert dich an deiner Arbeit?

00:01:32: Wie bist Du eigentlich auf die Idee gekommen dieses Handwerk auszuüben?

00:01:38: Der Werkstoff Textil hat mich schon immer fasziniert.

00:01:43: Meine Mutter hat Tagebuch geführt über meine ersten Worte und das ist mir unlängst mal in die Hände gefallen, dieses Tagebuch.

00:01:51: Da steht tatsächlich schon bevor ich Auto gesagt habe Masche als eines der ersten Wurte drin.

00:01:57: also offensichtlich ist es auch als ganz kleines Kind schon gewesen dass mich der Werkstoff fasziniert hat Und das ist dann noch weitergegangen.

00:02:07: Meine große Schwester hat zu Hause immer gestrickt Und es war Zeit, wo ich im Kindergartenalter war und noch nicht in der Schule.

00:02:14: Ich habe immer zugeschaut und wollte das auch können.

00:02:17: Ich hab dann einfach so lange an sie hingesehen hat bis sie mir die rechten Maschen beigebracht hat.

00:02:22: Irgendwann habe ich gesagt, dass ist aber zu langweilig nur die rechte Masche.

00:02:26: Da macht man ja gar keine schönen Muster.

00:02:30: Sie soll mir auch andere Maschen zeigen.

00:02:31: Dann kam das eben, dass ich gestrickt habe bevor ich eingeschult wurde.

00:02:38: auch während der Schulzeit und im frühen Erwachsenenalter habe ich immer irgendein Werkstück gehabt, was sich gestrickt hat.

00:02:47: Seins Socken gewesen wo ich die ganze Familie versorgt hab oder Schalsmützenhandschuhe ganz egal war es Polo war Röcke alles habe ich einfach gestrickte.

00:02:58: Und dann habe ich irgendwann die Freude entdeckt auf Mittelalterfeste zu gehen und Mittelalter Feste zu besuchen Und fand es ganz spannend und habe dann da entdeckt, dass da auch Textilhandwerker sind.

00:03:14: Die natürlich nicht stricken weil Stricken eine moderne Sache ist.

00:03:18: aber ich hab dann andere ursprüngliche und historische Textiltechniken erlebt auf diesen Märkten und dann hat sich beides kombiniert die Liebe zum Textil und das Historische daran vor meinem allerersten Lager das Textilhandwerk des Brettchenwebens erlernt.

00:03:44: Das war mein erstes historisches Handwerk und auch für das erste Lager die ersten Gewandung komplett von Hand selbst genäht, das war damals für eine Keltenderstellung also schon eisenzeitlich.

00:04:00: Und dann kamen die ganzen anderen Techniken so PöA-Pö dazu.

00:04:03: Irgendwann dachte ich mir, dass das mit dem Nadelbinden schaue ich mir mal an und dann mit dem Handspinnen.

00:04:10: Dann war für mich ein ganz großer Punkt!

00:04:12: Ich wollte unbedingt am Gewichtswebstuhl weben lernen... ...und dann habe ich mir gedacht naja also wenn ich schon Brettchen weben kann und Gewichts weben, dann kriege ich das mit Kamm weben auch hin.

00:04:25: War auch kein Problem.

00:04:27: Und als letztes, also aktuellstes vor drei Jahren hat mich dann einfach auch noch die Pflanzenfärberei interessiert.

00:04:33: Die ich dann einfach noch mit dazugenommen habe und hin- und wieder dann auch am Lager gerne mal färbe.

00:04:41: Ich möchte aber auch keine Gewähr übernehmen dass dabei bleibt.

00:04:44: vielleicht gibt es irgendwann wieder irgendwas, weil ich mir denke das will ich mir auch noch anschauen.

00:04:50: Genau Grundsätzlich würde ich sagen was die Faszination angeht Es ist auch der Teil mit dem Lagerleben und der frühmittelalterlichen Lebensweise, die für mich sehr faszinierend ist.

00:05:05: Es ist einfach die Ursprünglichkeit des Einklangs von Mensch, Tier- und Natur – einfach diese Wahrhaftigkeit und die Authentizität.

00:05:15: Und so ein Leben am Lager und so einen Alltag am Lagger ist einfach unglaublich sinnbehaftet und auch sinngebend!

00:05:26: Es ist ein unglaublich großer Gemeinschaftssinn unter den Lagerleuten und Zusammenhalt und Menschlichkeit wird noch großgeschrieben.

00:05:35: Und all das zusammen, würde ich sagen, ist die Faszination an meiner

00:05:40: Arbeit.".

00:05:43: Du beschäftigst dich also seit Kindesbeinen an mit diesen verschiedenen Techniken?

00:05:48: Und seit wann bist du dann als freischaffende Künstlerin

00:05:51: tätig?".

00:05:53: Komplett selbstständig als freischaffende Künstlerin bin ich seit Anfang Zwei-Tausendneunzehn.

00:05:58: Davor habe ich es drei Jahre füftige aufgeteilt, um noch ein krankenversicherungspflichtiges Angestellten Verhältnis zu haben und man muss das ja auch irgendwann erst finanziert bekommen.

00:06:12: aber Ich muss sagen Es ist für diese Art und Weise ein großer Idealismus von Nöten weil man lebt diese Art entweder ganz oder gar nicht.

00:06:22: Großes Geld verdiene ich damit nicht als Künstlerin.

00:06:26: In Urlaub fahren brauche auch nicht, aber ich bin ja sowieso die ganze Saison überall unterwegs und dann brauche ich gar keinen Urlaub.

00:06:33: Muss sich frei werden?

00:06:34: Also ich bin gerne im Winter dann auch mal ein paar Monate am Stück zu

00:06:37: Hause.".

00:06:39: Du lässt dir historische Gewandungen neu entstehen!

00:06:42: Im präzise Handarbeit fertigst du Tunigen, Wollkleider, Hosen, Wadenbickel und Mäntel an.

00:06:49: Wie kann man sich die einzelnen Arbeitsschritte vorstellen?

00:06:52: Kannst du uns ein bisschen einen Einblick geben?

00:06:56: Ich hätte jetzt mal einen Arbeitsprozess am Beispiel einer haltstadtlichen Frauentracht.

00:07:03: Das würde anfangen, man überlegt sich welche Bestandteile hat überhaupt die Frauantracht an sich Die Haltstadtzeitliche?

00:07:12: Da hätten wir in den meisten Fällen unverziertes Unterkleid aus Leinen Einen P-Bloss mit oder ohne Überschlag aus Wolle oder Leinen, eventuell mit einer Brettchenborte nach Fund.

00:07:31: Des Weiteren kann man dieser Frauentracht einen Brettchengewebten Gürtel zufügen auch mit einem Fundmuster.

00:07:42: Dann kann sie bestehen mit einem Rechteckmantel.

00:07:45: der kann auch gefüttert sein.

00:07:48: und dann noch gegebenenfalls natlgebundene Socken und eine Mütze.

00:07:53: Das wäre quasi erstmal zu gucken, aus was besteht die Tracht?

00:07:57: Welche Bestandteile habe ich als nächstes?

00:08:01: Schaut man die Stoffauswahl.

00:08:03: Brauche ich Teile aus Leinen?

00:08:05: Brauch ich Teiles aus Wolle?

00:08:06: Welches sind aus Was?

00:08:08: Unterkleider sind grundsätzlich eigentlich epochenübergreifend meistens Ausleinen.

00:08:16: Überkleider je nach Region häufig aus Wulle aber zum Teil auch ausleinen.

00:08:24: Dann schaue ich mir an, welche Stoff stärken.

00:08:26: Nicht jedes Leinen ist gleich und auch nicht jeder Wollstoff ist gleich.

00:08:29: Auch gerade bei Wollen-Wollstoffen gibt es viele Unterschiede zwischen einem ganz leichten und feinen Wollstoff oder einem schweren Walkloden der dann wirklich für Wind und Wetter geeignet ist.

00:08:40: Dann schau dich auf die Farben, auf die Muster.

00:08:44: Das ist alles quasi erst mal die Planung, die im Vorfeld stattfindet vor dem Arbeitsprozess.

00:08:53: Gibt es den Zuschnitt nach Maß?

00:08:56: Die zugeschnittenen Teile werden dann genäht.

00:09:00: Alles wird von Hand genähte, also komplett ohne Maschine.

00:09:05: Dann werden erst alle Kanten eingeschlagen und eingenäht, dann werden die Einzelteile verbunden mit Handnaht Und dann kommen gegebenenfalls Verzierungen drauf, also entweder Ziernähte oder eben zum Beispiel auch eine Bortenverzierung.

00:09:24: In späteren Epochen sind es dann auch oft Stoffbesätze für eine halt statt zeitliche Frauentracht, aber eher nicht üblich.

00:09:34: Dann beim Bereich vom Weben muss ich mir auch vorher Gedanken machen über welches Muster wird gewebt?

00:09:43: Welche Farbe und welche Länge?

00:09:45: Das muss vor Beginn komplett geplant sein!

00:09:48: Dann ist der Scherbrief und der Webbriefe zu zeichnen.

00:09:52: Dann wird das Werkstück geschert.

00:09:54: Also das bedeutet aufgezogen, die Kettfäden werden aufgezogen und dann wird es durchgewebt bis zum Ende der Kettfedern.

00:10:03: Deshalb muss auch die Länge vorher schon geplant sein.

00:10:07: Beim Nadelbünden habe ich auch vorher eine Farb- und eine Wollauswahl und je nach Wollstärke und je Nach Funktion von dem Kleidungsstück auch dann eine.

00:10:16: entsprechende Stichauswahlen gibt's nämlich auf verschiedene Stiche, die unterschiedliche Funktionen Besser bedienen, manche sind elastischer.

00:10:25: Manche sind weniger elastisch.

00:10:26: Manches sind besser für dünnes Garen.

00:10:28: Manch ist besser für dickes Garen Gut und dann wird es auf Maß-Nadel gebunden.

00:10:35: Grundsätzlich kann man also sagen Stoffauswahl, Garnauswahl Musterwahl Farbwahl Das alles führt dazu Dass er sich braucht vorher eine ordentliche Planung damit ich dann zu einem gelungenen Werkstück komme.

00:10:52: Du hast vorhin erwähnt, dass du auch Wolle färbst.

00:10:55: Färbst du die Wollle, die du für deine Kleidung brauchst selbst ein?

00:11:01: Ja einen gewissen Teil der Rohmaterialien, die ich dann weiter verarbeite, färbe ich auch selbst aber Ich kann nicht komplett alles selbst färben.

00:11:11: Das ist leider mit den zeitlichen Aufwand nicht möglich das sich Alles nur pflanzengefärbt herstelle.

00:11:18: allerdings habe ich selber einen inzwischen relativ hohen Anspruch und auch je höher der Darstellungsanspruch des Kunden ist, desto genauer suche ich Farben aus die zwar chemisch gefärbt wurden aber Pflanzen färbbar gewesen wären damit die Authentizität gewährt bleibt.

00:11:43: Und ganz deutlich erkennbar chemische moderne und leuchtende Farben verarbeite ich nicht.

00:11:48: zum historischen Gewand Und beim Färben ist mir der gesamte Prozess wichtig, also das heißt es geht dann bei mir schon mit dem Sammeln der Färbepflanze los.

00:12:00: Das eignet sich super dass am Lager zu machen weil man sich mal gleich zu Beginn dadurch mit seiner Umgebung vertraut macht und sich ganz achtsam durchs Umfeld bewegt indem man gerade unterwegs ist und wo man sein Zuhause aufgeschlagen hat Pflanzengefärbte Wolle fürs Nähen, Nadelbinden und Weben.

00:12:23: Du fertigst ja die unterschiedlichsten Gewandungen an!

00:12:26: Welche Gewandung fährst du für welche Zeiten an?

00:12:30: Kannst du uns ein paar Beispiele geben?

00:12:34: Ich habe mich spezialisiert auf die Epochen der Spätantike bis Frühmittelalter.

00:12:40: Im speziellen bedeutet es für mich Schwerpunkte der Darstellungen Kälten bei Juwan Alomanen, Langobaden und Wikinger.

00:12:50: Hin und wieder kommen aber auch Aufträge anderer Darstellungen in dem Zeitfenster mal dazu, wie zum Beispiel die Ibera oder auch manchmal etwas mit slavischen Einflüssen.

00:13:03: Gewandungen mache ich für Männer, Frauen und Kinder quasi von Kopf bis Fuß außer Schuhe.

00:13:11: Bei Männern können das sein Tuniken unter Tuniken, Svitas also Das sind diese Tuniken mit den Querriegeln, mit dem Riegel besetzen.

00:13:27: Tuasberghosen Bluderhosen Wadenwickel Klappenmängel.

00:13:34: Was die Kelten Darstellungen angeht ist zu beachten dass nicht in allen kältischen Epochen Hosen belegt sind und auch keine Wadenwickeln.

00:13:46: Bei Frauen handelt es sich um Unterkleider Kleider Und Übergewänder, Übergewender sind.

00:13:52: also gibt es verschiedene Möglichkeiten in den verschiedenen Epochen.

00:13:57: Also entweder Peplors, Trägerock, halblange Überkleider, Mantelkleider Panowas...also das sind die slafischen Halblangen Röcke, die vorne offen sind und umgebunden werden Schultertücher.

00:14:13: und da gilt grundsätzlich bei Männern und Frauen ist alles aus Leinen und Wolle möglich.

00:14:21: Gemeinsam für Männer und Frauen gibt es Wortengürtel, Rechtegmentel, Googeln und Nadelgebundness.

00:14:29: Also Socken, Kniestrümpfe, Mützenstulpen, Schalkregen... Und das alles was ich für Männer- und Frauen mache gibt's dann auch im Grunde genommen in extra klein für Kinder.

00:14:42: Was war das Einfachste?

00:14:44: Und was war das schwierigste Kleidungsstück dass du gemacht hast oder ist jedes für sich schwierig?

00:14:51: Das ist Pauschal nicht so einfach zu sagen.

00:14:55: Eigentlich ist alles leicht und schwer zugleich, es liegt im Auge des Betrachters.

00:15:01: Für viele wäre wahrscheinlich Tage- und Wochenlang rein von Hand an einem Stück zu arbeiten extrem schwer – für mich nicht!

00:15:10: Dafür fallen mir andere Dinge schwer die für andere ganz leicht sind.

00:15:15: Manchmal gibt's Schwierigkeiten im Arbeitsprozess wenn mal was nicht klappt.

00:15:20: Ich sage aber lieber Herausforderungen dazu, weil hier ist der größte Raum für mich auch wieder dazuzulernen.

00:15:29: Verschiedene Versuche dann trotzdem zum Ziel zu kommen.

00:15:33: dabei kann man ganz viel über sein Handwerk lernen und sammelt Erfahrungen und wird darin immer noch besser.

00:15:42: Grundsätzlich nicht immer muss ein sehr zeitintensives Werkstück auch sehr schwer sein Aber auch nicht jedes, schnellere Stück ist leicht.

00:15:54: Du zeigst dir auf den Historischen Festen dein Handwerk!

00:15:57: Wie weit fährst du?

00:15:58: Was war eigentlich deine längste Anreise zu einem historischen Fest?

00:16:03: Also bisher habe ich Veranstaltungen besucht und besuche es auch jedes Jahr wieder in Deutschland, Österreich und Südtirol.

00:16:12: also zählt ja rein vom Verwaltungsland her zu Italien.

00:16:16: aber die Südtirale hören das nicht gern.

00:16:20: Und da gibt es jedes Jahr Veranstaltungen, wo ich dabei bin und auch immer hinfahre.

00:16:28: Meine bisher längste Anfahrt ist das Freilichtmuseum Funkenburg in Thüringen.

00:16:32: Da habe ich eine sechshundert Kilometer-Lange einfache Fahrt.

00:16:37: dafür darf ich aber ein echtes Gruppenhaus komplett für neun Tage beleben.

00:16:42: also das lohnt sich für diesen Zeitraum.

00:16:48: Die Entscheidung für oder gegen eine weite Strecke richtet sich nach dem Umfang des zu transportierenden Equipments und der Dauer des Aufenthalts.

00:16:59: Also zum Beispiel auch wenn ich weniger als zweihundert Kilometer hätte, dafür aber komplett mein gesamtes Lager aufbauen muss – für zwei Tage mache ich nicht!

00:17:11: Weil bis ich mit dem Aufbau fertig bin kann ich dann beim Abbau schon gleich wieder anfangen weil es sehr viel ist für mich auch alleine und das aufzubauen, dass dauert.

00:17:21: Aber um es vernünftig darzustellen muss halt auch ordentlich präsentiert werden.

00:17:27: Grundsätzlich würde ich sagen im Schwerpunkt mache ich Teilnahme an Veranstaltungen ab vier Nächten ungefähr bis Vierhundert Kilometer kürzere Dauer eher selten weiter als Vier-Hundert Kilometern.

00:17:42: dann wenn nicht länger bleiben kann Ins Mammuts habe ich, dreihundertseinundneunzig.

00:17:51: Da habe ich gleich eine weitere Frage.

00:17:53: Wo ist da eigentlich deine Werkstatt?

00:17:56: Wo arbeitest du?

00:17:56: Wie kann ich mir das vorstellen?

00:18:00: Also eine klassische feste Werkstatte mit nur dafür vorgesehenen Räumen und Werkzeugen habe ich keine.

00:18:09: All meine Werkzeuge für das historische Textilhandwerk sind samt meinem Lager mobil und transportabel.

00:18:16: Das heißt, ich kann grundsätzlich meine Werkstelle überall aufbauen und überall arbeiten.

00:18:23: Werkzeuge sind der Gewichtswebstuhl, mehrere Bandwebramen fürs Kamm- und Brettchenweben in Längen von einem halben bis acht einhalb Meter verschiedene Nadeln aus allen Stärken und Größen zum Nadelbinden und Nähen aus Holzhohren, Knochen und Metall verschiedene Handspinkeln und Spinnwirtel, Utensilien zum Weben wie z.B.

00:18:51: Webkemme, Webbrettchen, Webgewichte, Webschiffchen.

00:18:56: dann auch noch natürlich Scheren in sämtlichen Größen, Färbekessel usw.

00:19:02: Rohmaterial, das ich für das Arbeiten brauche sind Stoffe aus Leinen-und-Wolle, Nähgarne, Webgarne dort Wolle und Färbepflanzen Und je nachdem was es für ein Werkstück werden soll, wird das jeweilige Rohmaterial mit dem jeweiligen Werkzeug für die entsprechende Technik verarbeitet und zwar dort wo ich meine Werkstatt gerade aufgebaut habe.

00:19:30: Ich kann also quasi überall arbeiten da ich komplett unabhängig von Strom bin.

00:19:37: Bin ich nicht auf einer Veranstaltung dann ist dieses überall auch gerne mal mein Wohnzimmer oder ein Esszimmer.

00:19:46: Dein zweiter Schwerpunkt sind Auftragsarbeiten, wer meldet sich bei dir für eine Auftragssarbeit und gibt es da einen Warteliste?

00:19:56: Wie kann man sich das vorstellen?

00:19:57: Oder wie melde ich mich bei dir?

00:20:00: Also der Schwerpunkte Auftraggeber sind... Und auch der Großteil sind andere Geschichtsdarsteller also Lagergruppen, Museale Darsteller, historische Handwerker aber auch hin und wieder Museen.

00:20:18: Im Normalfall erreicht mich der Auftrag persönlich durch die Teilnahme an einer Veranstaltung oder dadurch, dass meine Gewandungen irgendwo gesehen werden weil sie getragen werden und dann derjenige darauf angesprochen wird wo die denn her sei.

00:20:45: Warteliste?

00:20:47: Klassisch würde ich sagen Jain.

00:20:50: Also wenn ich den Auftrag zusage, wird er auch definitiv gefertigt und die Dauer bis zur Fertigstellung richtet sich dann zum einen nach dem Zeitwunsch des Auftraggebers und zum anderen nach meiner aktuellen Auftragslage.

00:21:07: und ob ich in der Saison bin oder außerhalb der Saison Beim Zeitwunsch des Auftraggebers, der hat erst mal die höhere Priorität.

00:21:18: Den kann ich entweder bestätigen oder meinen nächsten möglichen Zeitrahmen nennen in dem ich das fertigstellen kann.

00:21:27: Ich würde sagen ungefähr in achtzig Prozent ist der Zeitwunscht des Auftaggebers auch machbar.

00:21:36: Momentan als Beispiel für eine Fertigungszeit mitten in der Saison in etwa sind sechs Wochen zu rechnen.

00:21:44: Es kann aber auch kürzer oder länger sein.

00:21:46: In der Winterzeit kann es oftmals auch kurzfristig ermöglicht, weil ich nicht so viel auf den Veranstaltungen unterwegs bin und dann nicht so viele meiner Zeit anderweitig gebunden ist.

00:21:59: Ausnahme die am Gewichtswebstuhl von Hand gewebten Wadenwickel.

00:22:05: Da gibt's im Jahr für mich nur zwei bis drei Paar, die ich schaffe.

00:22:09: Die sind für dieses und nächstes Jahr schon komplett ausgebucht.

00:22:14: Ich möchte jetzt auf die Kleidung, die wir in der aktuellen Ausstellung Die Geheimnisvolle Welt der Ibera im Mammothsmuseum Mistlbach zum Anprobieren für Kinder und Erwachsenen haben zurückkommen.

00:22:25: Du hast ja all diese Gewandungen angefertigt.

00:22:28: Danke übrigens dafür.

00:22:29: ich finde sie sehr gut gelungen und Sie kommen auch sehr gut an.

00:22:32: aber kannst du uns jetzt genauer beschreiben?

00:22:36: Also es freut mich schon mal dass sie sehrgut ankommen.

00:22:40: ich habe mich schon gefragt ob das wohl gut angenommen wird auch und auch ob sie passen, rein von den Größen her.

00:22:51: Also grundsätzlich handelt sich so ein eisenzeitlicher Tracht in etwa fünftes bis erstes Jahrhundert vor Christus für Jung- bis Alt im Gebiet des heutigen Spaniens.

00:23:04: die verwendeten Materialien sind reinausleinen die Bärertrachten, die ich gefertigt habe.

00:23:12: Also das betrifft die Stoffe, die Kammgürtel, die Klavi und die Nähte.

00:23:16: Es ist keine Wolle verwendet!

00:23:19: Das ist eine Männertracht, eine Frauentracht zwei Mädchentrachten im heutigen Schulalter, zwei Bubentrachen im heutige Schulalter und eine Mädchen- und eine Bubenthracht vor dem heutigen Kindergartenalter.

00:23:37: Alles sind Halb-Lange bis lange Tuniken, also Knie bis Knöchelang bei den Männern und Kleider für die Frauen.

00:23:46: Alle entweder erben los, kurzarm oder dreiviertelarm.

00:23:51: Dabei sind keine Hosen!

00:23:54: Entweder werden die halblangen Tuniken oder die Kleider getragen mit einem Rechtecktuch über einer Schulter geknotet und dann, ja wir würden wahrscheinlich sagen Scherpen ähnlich getragen.

00:24:16: Also unter der einen Schulter unten runter und über den anderen Schulter gegnotet.

00:24:23: Und manche Tuniken oder Kleider sind ganz ohne weitere Verzierungen.

00:24:31: Manche sind Mitverzierung so genannte Klavi also Klawus in der Einzahl, die auch bekannt sind aus den spätantiken römischen Trachten.

00:24:43: Da wurden die Klawi direkt in den Stoff schon mit eingewebt indem anders farbiges Garn in der Kette verwendet wurde.

00:24:50: und diese Klawii sind aus Litzen gewebten Leinenbändern, die ich aufgenäht habe.

00:25:01: Danke für diese Beschreibung.

00:25:02: Ich glaube, jetzt kann man sich diese Gewandungen doch ganz gut vorstellen!

00:25:06: Aber jetzt eine andere Frage noch – wenn du hier bei uns bist, arbeitest Du ja in der eisenzeitlichen Hütte.

00:25:12: Inspiriert Dich diese Umgebung?

00:25:15: Wie fühlst Du Dich

00:25:16: dort?!

00:25:18: Also die Belebung von historischen Gebäuden oder deren Rekonstruktionen und Nachbauten lässt natürlich das Herz jedes Renactors höherschlagen.

00:25:28: bzw.,

00:25:30: würde ich sagen... ist es in der Szene schon auch die Königsdisziplin.

00:25:35: Man freut sich einfach, wenn man ein Haus beleben darf – das eigene historische und authentische Erleben wird dadurch noch tiefer und komplettiert.

00:25:53: Natürlich ist es auch am Lager ein sehr schönes authentisches und historisches Erleben.

00:25:58: aber ein Zelt ist eben kein Haus.

00:26:03: Es ist einfach noch runder und noch vollständiger, in so einem wirklichen historischen Haus zu sein.

00:26:13: Auch in der entsprechenden historischen Umgebung auch ohne Lichtschalter und Steckdosen und solche Sachen.

00:26:23: also die sind einfach in den historischen Häusern schon mal gleich gar nicht vorhanden.

00:26:28: Und dann kommt man auch nicht auf die Idee, so was zu vermissen weil es einfach überhaupt nicht in den Rahmen passen würde.

00:26:36: Also für mich ist das schon immer ein ganz besonderes Highlight wenn ich in dem Museum ein Haus beleben darf und es ist auch immer etwas worauf ich mich schon im Vorfeld freue.

00:26:46: von den Veranstaltungen und auch immer Mutz jetzt freue ich mich immer wenn ich weiß ich darf in die Hütte Richte die jedes Mal dann liebend gerne wieder mit meinen ganzen Werkzeugen und Erzeugnissen ein.

00:27:00: Also es ist für mich schon immer ein extra Highlight, wo ich mich an der Stelle gerne auch noch mal dafür bedanken möchte.

00:27:07: Ja, auch von mir ein herzliches Dankeschön Mina, dass du uns diese interessanten Einblicke in deine Arbeit gegeben hast!

00:27:14: Ich freue mich sehr, dieses Gespräch war wirklich ganz umwerfend interessant und danke, dass Du da gewesen bist.

00:27:21: Vielen Dank für die Einladung, das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

00:27:25: Wer jetzt neugierig geworden ist, der besucht uns im Mammots-Schloss Aspenanderzeia und Museum Mistelbach Live.

00:27:32: Alle Infos zu euren Besuch auf www.mammots.at.

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