Experimentelle Archäologie - Wenn Archäologen zu Handwerkern werden - Über Holz und Knochen im Experiment
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00:00:12: Hallo, mein Name ist Andrea.
00:00:14: Ich bin Teil des Teams im Mammuts, dem Museum für Urgeschichte und historische Archäologie in Schloss Aspern an der Zeia und Misslebach.
00:00:23: Im Mammut-Podcast beschäftigen wir uns mit vierzigtausend Jahren Menschheitsgeschichte.
00:00:30: Willkommen in der dritten Folge mit Wolfgang Rubisser!
00:00:33: In dieser Folge dreht sich alles um die Materialien Holz Knochen und Geweih im Experiment.
00:00:40: Hallo Wolfgang, schön dass du wieder da
00:00:42: bist.
00:00:43: Ja ich freue mich auch!
00:00:52: Gleich meine erste Frage was ist experimentelle Archäologie und warum führen Wissenschaftler praktische Experimente durch?
00:01:02: Ganz profan ausgedrückt.
00:01:04: Experimentell Archäologie heißt das wenn man versucht aus authentischen Materialien mit authentischen Techniken und eigenen Händen das anzufertigen was wir im Boden zu finden glauben.
00:01:18: Hier bietet sich es natürlich an, Versuche zu Handwerken zu machen.
00:01:22: Nicht zu Knochen, zu Geweih, zu Holz, zu Metallen, zu Glas – zu was auch immer!
00:01:27: Also den Weg vom Rohmaterial bis zum fertigen Produkt vor dem Hintergrund der Technik einer speziellen Zeitstellung nachzuvollziehen und so ein besseres Verständnis für Handwerksproduktion in der Urgeschichte zu entwickeln.
00:01:42: Aber es gibt auch Experimente zum Ackerbau, Experiment zur Viehzucht, zum Hausbau.
00:01:48: Es gibt auch ein ganzes Spektrum von Experimenten, die man zu anderen Dingen, zu sozialen Aspekten oder so weiter durchführen könnte.
00:01:57: aber mein Steckenpferd ist natürlich Experiment zum Handwerk in der Archäologie und hier glaube ich kann ich auch allerhand erzählen.
00:02:08: Dann beginnen wir gleich mit dem Material Holz.
00:02:11: Welche Holzarten hat man vor allem zum Haus Bau verwendet?
00:02:15: Die Menschen haben erstaunlich früh gelernt, welche Hölzer für welche Verwendungen sehr gut geeignet sind.
00:02:22: Welche sich sehr gut schnitzen lassen oder hacken lassen oder biegen lassen, welches ja dauerhaft sind?
00:02:29: Oder welche aufgrund von anderen Eigenschaften für eine bestimmte Verwendung vorzuziehen sind.
00:02:35: nicht zum Hausbau darf man sagen hier ist es natürlich vor allem die Eiche.
00:02:39: Die Eiche ist ein wunderbares Holz.
00:02:41: sie bildet sehr gerade Stämme aus Sie ist sehr dauerhaft und man kann sie mit den stumpfen Klingen aus Stein- und Knochen auch sehr gut bearbeiten.
00:02:53: Das war für mich selbst sehr spannend zu sehen, ich habe mal versucht mit einem Steinbeil eine Birke zu fällen.
00:02:59: das war sehr schwierig weil der Weiche stammt der Birke.
00:03:05: Die Powerweg und die Spile kommt mit der gleichen Geschwindigkeit zurück, wo man hinhaut.
00:03:11: Harte Hölzer wie Eiche Esche oder Ulme sind dankbar.
00:03:15: Die sind selber sehr robust, sehr stabil Und hier kommt man auch mit den stumpfen Klingen des Neolithikums aus Stein- und Knochen sehr gut vorwärts.
00:03:23: Das war für mich echt ein interessantes Erkenntnis.
00:03:26: das hätte ich so eigentlich nicht erwartet.
00:03:28: Für die Verwendung von Eichen im Hausbau ist vor allem natürlich anzuführen Pfosten bauen, nicht?
00:03:35: Viele Gebäude der Urgeschichte sind so gebaut dass man Löcher gegraben hat.
00:03:39: in die habe man Hölzer hineingestellt.
00:03:41: Den Holraum um die Hölze wieder verdichtet und dann sind sie gestanden Sie können sich das so vorstellen wie vielleicht Telefonmaßten oder Strommaßen bis in die jüngste Vergangenheit Und so konnte man im aufgehenden Bereich weitgehend auf verstrebende Elemente verzichten weil diese Pfosten ohnehin eine große Stabilität hatten.
00:04:03: Für die Holzbauteile im oberen Bereich konnten dann alle möglichen anderen Hölzer verwendet werden, das war gar nicht mehr so wichtig eigentlich.
00:04:12: War die Holzernte?
00:04:14: Ich meine damit das Baumfällen an bestimmte Jahreszeiten gebunden...
00:04:19: Wir können das feststellen, wenn wir das letzte Jahr eines Baumes anschauen – die sogenannte Waldkante.
00:04:26: Hier sehen wir genau wie die Zellentwicklung fortgeschritten ist und ob das Jahr mit einem sehr dichten Herbstholz-Zellenpaket aufhört.
00:04:35: Dann wissen wir es ist eine Winterschlägerung!
00:04:38: Hier haben wir natürlich wieder große Fragezeichen weil wir Holz nur in ganz außergewöhnlichen Situationen wirklich finden.
00:04:45: aber wo wir es finden?
00:04:47: Quer durch die Zeiten sehen dass der Anteil an wintergeernteten Holz sehr hoch ist, vielleicht sogar fast ausschließlich Winter geerntetes Holz verwendet wurde.
00:04:58: Wenn man sich das rechtzeitig aussuchen konnte und ich glaube das ehrlich gesagt auch weil winter geerntete Holz ist einfach viel dauerhafter, viel belastbarer.
00:05:07: es ist nicht so schwer Schädlinge lieben es nicht, das wird nicht so leicht von Pilzen befallen und im Winter ist es auch einfacher aus den Wäldern das Holz herauszuholen.
00:05:17: Es gibt kein Laub, es gibt keine Insekten, es gib keine Zecken Und der Waldboden wenn er gefroren oder zumindest härter ist in dem Winter ist besser geeignet dass man hier die Stämme aus dem Wald schleift.
00:05:31: Haben die Menschen der Urgeschichte das Holz bevor sie es verwendet haben gelagert?
00:05:38: Davon gehen wir eher nicht aus und zwar aus einem ganz einfachen Grund.
00:05:42: Mit Werkzeugen aus Stein- und Knochen, aber das gilt dann später auch noch für Kupferbrosse und Eisen können sie eigentlich gelagertes Holz nicht so gut bearbeiten mit Stein und Knoten kaum ja.
00:05:54: also die Menschen waren darauf angewiesen dass Holz zu grün wie möglich so frisch gefällt wie möglich zu verarbeiten weil dann einfach der Arbeitsaufwand der geringste war den man treiben musste.
00:06:07: Und viel Arbeit war sie ja trotzdem noch nicht, also ich denke eher dass man die Bearbeitung unmittelbar nach dem Fällen durchgeführt hat.
00:06:15: vielleicht gab es einen kleinen Lagerungsprozess zwischen dem fertigen Element und der Moment wo man das dann auch wirklich in den Boden vergraben hat.
00:06:25: Das können wir so nicht feststellen aber die Bäume selbst wurden wahrscheinlich im Winter gefällt und so schnell wie möglich verarbeitet.
00:06:33: Du hast uns erzählt, welche Holzarten man verwendet hat um ein Haus zu bauen.
00:06:38: Es gibt natürlich auch noch andere Holzarten und was hat man mit diesen hergestellt?
00:06:43: Welche Werkzeuge zum Beispiel?
00:06:45: Ja ganz spannend das... Ich gilt jetzt vor allem für ab der Bronzezeit nicht.
00:06:50: Die Buche ist eines meiner Lieblingshölzer sehr vielseitig verwendbar und hier wurden, wie wir aus den Funden von Hallstatt und allein wissen nämlich aus dem Bergwerksfonden vor allem die Schäfte für Pickel-Echste und Dächel sehr gerne aus Buchenholz angefertigt.
00:07:06: Aus den natürlich gewachsenen Winkelformen bestehend aus Stamm und Astbereich, die durch die Bank aus Buchenholtz gemacht sind.
00:07:15: aber Ganz spannend zum Beispiel auch, es gibt vom Bereich Zürich eine kleine Spandose.
00:07:22: Da sind vier verschiedene Hölzer verwendet.
00:07:25: also die Wandung selbst ist aus Birkenrinde der Boden ist aus einer Konifere sprich aus einem Nadelholz befestigt dieser mit kleinen Holznegeln aus Haseln und Die Rinder ist zusammengenäht mit der Wurzel von einer Leerche, weil die unglaublich elastisch flexibel ist und unglaublich belastbar.
00:07:45: Also ein ganz schönes Beispiel wie speziell man eigentlich um die Unterschiede Bescheid gewusst hat und wie genau man die Rohmaterialien ausgewählt hatte, um bestimmte Dinge anzufertigen.
00:07:57: Zum Schnitzen von Gefäßen haben sich zum Beispiel Lindenweiden oder eben auch Birkenangeboten, die sehr weich zu schnitzen waren und trotzdem aber auch sehr stabile Hölzer sind, die auch sehr angenehm zum halten sind, Und für zum Beispiel Speere oder Jagdwarfen hat man auch sehr, sehr ausgewählte Hölzer verwendet.
00:08:21: Denken Sie an den Öze und seinen Bogen aus feinstem Albenholz?
00:08:25: Oder bei Speeren vor allem sehr lange dünn gerade gewachsene Eschenschäfte die sich quer durch alle Zeiten immer wieder finden!
00:08:36: Welche Gerätschaften hat man hergestellt und welches Holz hat man dann dafür verwendert?
00:08:43: Aus dem Brunnenfonden, der ersten Bauern kennen wir schon mehrere Gerätschaften.
00:08:48: und hier gibt es Gerätschaften aus Lindenholz aber auch ganz spannende Beutel die man aus Rinde genäht.
00:08:57: Nicht?
00:08:58: Weil wenn Sie ein Gefäß in den Brunen hinunterlassen kann das auch mal auf den Rand ankommen.
00:09:03: also Keramik scheidet schonmal ein bisschen aus Aber hier hat man ganz spezielle Rindbeutel angefertigt die vor allem zum Wasser holen tauglich waren.
00:09:12: Im Bereich der Häuser-Innen darf man sich vorstellen zum Beispiel ein ganzes Spektrum von Gerätschaften für den Ackerbau, nicht vielleicht primitive hartenartige Winkelhölzer wo man dem Boden aufgebrochen hat im Sinne eines Hackbaus.
00:09:29: Vielleicht auch schon größere Winkel die man so ähnlich wie später Flüge verwendet hat um den Boden aufzukratzen.
00:09:36: aus dem Brunnen von Erkelenz-Krikofen kennen wir die vier ältesten Grabgeräte, die wir überhaupt in Europa gefunden haben.
00:09:44: Es waren zwei Spaten aus Ahuernholz und zwei so so so harkenartige Schaufelgeräte, eines mit einem Blatt aus sehr dichten feinporösen Arurenholz.
00:09:56: Mit einem Griff aus Haselnuss und ein zweites aus Ulmenholz mit Zähnen wie die Finger einer Hand das offensichtlich ideal geeignet war um Schotter zu schaufeln.
00:10:07: der Stil war hier ebenfalls aus Haslenuss gefertigt.
00:10:13: Du hast uns jetzt etwas über Werkzeuge und Gerätschaften erzählt Aber wie schaut es mit dem Mobilär aus?
00:10:19: und andere Gegenstände aus Holz?
00:10:21: Was weißt du darüber.
00:10:24: Ja leider viel zu wenig, ich würde hier gern viel mehr darüber wissen.
00:10:28: Wir haben natürlich das klassische Problem dass sich Holz nur in ganz außergewöhnlichen Bedingungen im Boden über Jahrhunderte oder Jahrtausende erhalten kann.
00:10:37: und hier ist gerade die Steinzeit gerade die Zeit der Linearband Keramik für uns eher un dankbar.
00:10:43: Die einzigen Funde die wir aus dieser Zeit haben stammen aus Brunnenfunden und man schmeißt halt selten Mobiliarteile in den Brunen nicht?
00:10:51: Nur ganz selten macht man.
00:10:53: Aber.
00:10:54: wir haben kleine Hinweise, es gibt auf Tonfiguren die auf kleinen Hockern sitzen oder es gibt kleine Tischen.
00:11:05: Wahrscheinlich auch Webstühle, wahrscheinlich auch Trockenstangengerüste wo man Kräuter trocknen kann.
00:11:11: Wo man Fleisch trocknet und Kleidung trocknt wenn die nass ist.
00:11:16: Das darf man sich alles vorstellen einfach aus der Notwendigkeit heraus.
00:11:21: Wo wir dann natürlich mehr wissen das ist dann... Fallbaussiedlungen des Entneulitikums.
00:11:27: Hier im feuchten Milieu der Seeuversiedlungen haben sich im wasserträchtigen Seeuferbereich immer wieder auch Teile erhalten, die man als Mobiliarteile ansprechen könnte.
00:11:40: Da sehen wir es gibt Hocker, es gibt einfache Tischen Es gibt auch Brettchen Schneidebrettchen.
00:11:46: Es gibt natürlich ein ganzes Spektrum von Gefäßen aus Holz, von sehr groß bis sehr klein.
00:11:52: Das geht von kleinsten Tassen die oft aus sehr harten Höltern, aus Wurzelmaserhöltern sehr fein geschnitzt sind mit polierten Oberflächen wo man wirklich nur staunen kann wie man das mit Werkzeugen aus Steinholz und Feuerstein so hinkriegen kann.
00:12:09: Und sie zeigen schon immer wieder dass wir hier noch viel mehr erwarten dürfen wenn natürlich auch die Quellenlage natürlich bescheiden ist.
00:12:18: Wir haben gerade gehört, dass Holz sehr wichtig war für die Menschen in der Urgeschichte.
00:12:22: Aber ich hätte eine Frage.
00:12:23: Haben die Menschen bereits damals den Wald?
00:12:26: Also das Waldbild verändert?
00:12:30: Das ist eine sehr spannende Frage und die kann ganz eindeutig mit Ja
00:12:35: beantwortet
00:12:36: werden.
00:12:36: Also es spricht alles dafür, dass auch die ersten Bauern bereits durch hier tun, durch hier Rodungsaktivitäten, durch ihre Siedlungen einfach auch den Wald massiv geprägt haben – man darf sich das so vorstellen!
00:12:49: Die kommen ja wirklich in Urwälder wo zum Teil Linden und Ulmen und Eichen stehen mit Durchmessern von deutlich mehr als eine Meter, also das sind Baumriesen die hier erst entfernt werden müssen um Ackerboden zu gewinnen.
00:13:04: Und natürlich kommt es dann in der Folge zu sekundär Waldbildungen die schon sehr vom Waldbild von den Menschen geprägt sind und verändert sind.
00:13:14: und dieser Prozess zieht sich eigentlich durch die gesamte Urgeschichte durch und sehr massiv.
00:13:20: Und man kann schon sagen, dass am Ende der kältischen Zeit kurz vor Christi Geburt gibt es in Mitteleuropa nur noch ganz wenige Waldgebiete, die sehr abgelegen sind vielleicht Hochalpene oder sonst irgendwie in Randgegenden, die wir aus unserem heutigen Verständnis als Urwälder bezeichnen würden.
00:13:41: Denn neunundneinzig Prozent der Wälders sind durch menschliches Handeln geprägt und verändert.
00:13:48: Und hier ist jetzt die spannende Frage, inwieweit ist das einfach passiert oder inwie weit gibt es da ganz gezielte Veränderungen?
00:13:56: Auch hier gibt es Hinweise dass man zum Beispiel für die Salzbergwerke von Hallstatt und allein diese Winkelschäftungen eventuell ganz gezielt gezüchtet haben könnte, dass man dann auch die richtigen Winkel hat, die man braucht.
00:14:09: Weil sich sie natürlich nicht so oft ausprägen wie man sie sich wünscht oder das man eben auch eine Art Niederwaldwirtschaft sehr oft betrieben hat weil man brauchte sehr viel junges Holz für Flechtwände, Wände, Zäune für bäuerliche Gerätschaften Und hier hat man natürlich gerne auch Stockaus schlagende Arten wie Ahorn, Wie Esche.
00:14:31: Wie Haselnuss natürlich ganz gezielt nach wenigen Jahren wieder völlig abgeirntet damit sich neue Triebe bilden und damit man dann zum richtigen Zeitpunkt genau das Werkmaterial zur Verfügung hatte dass man benötigt hat.
00:14:45: also ich glaube dass hier sehr früh auch ein Planungsdenken eingesetzt hat und dass man sehr genau gewusst hat wie man den Wald behandeln muss dass man dann auch rechtzeitig genau das entnehmen kann was man für Leben braucht.
00:15:00: Danke, das waren jetzt wirklich sehr ausführliche Informationen bezüglich des Holzes.
00:15:05: Wenden wir uns jetzt Knochen und Gewalt zu!
00:15:08: Woher hatte man diese Rohmaterialien?
00:15:12: Im Paleolithikum bei den Jägern und Samlern war das natürlich einfach, die waren Jäger.
00:15:17: Die haben viele große Knochen gehabt auch Elfenbein vom Elefanten und Geweih vom Hirsch und Knoch von allen möglichen Tieren.
00:15:25: also die hatten so viel Rohmaterial dass konnten sie gar nicht alles verarbeiten.
00:15:30: ganz im Gegenteil die großen Knoche wurden oft zerschlagen um an das Mark heran zu kommen.
00:15:35: das ist ja auch sehr fett ist und sehr, sehr gesund.
00:15:38: Und auch hier sind oft schon Rohlinge entstanden die man dann später weiter verarbeiten konnte zu Speerspitzen, Pfeilspitzen oder Prämen usw.
00:15:47: Also von der Rohmaterialseite war man im Paleolitikum so richtig ganz reich ausgestattet.
00:15:54: das ändert sich natürlich dann massiv in der Zeit der ersten Bauern, in der Seßhaftigkeit.
00:15:59: Hier hat man selber Rinder scharfe Ziegen und Schweine.
00:16:04: auch diese Knochen werden natürlich verwendet.
00:16:07: hier darf man auch daran denken dass man die Hörner der Kühe als Trinkgefesse verwenden konnte oder vor allem die großen massiven Knochens der Unterkiefer aber auch der Extremitäten die sich natürlich angeboten haben für Werkzeuge und Waffen wie Spitzen, Alen oder andere Dinge.
00:16:26: Aber auch im Wald haben Hirsche ihre Geweihe jedes Jahr abgeworfen.
00:16:30: Das heißt es war nicht unbedingt notwendig einen Hirsch zu jagen um an Geweihen zu kommen.
00:16:35: man musste es nur rechtzeitig im Wald suchen und aufglauben bevor die Mäuse und die anderen kleinen Nagetiere es auffressen was sie nämlich sehr gerne tun weil sie das Rohmaterial für ihren eigenen Knochen bauen und für ihre Jungen brauchen.
00:16:50: Ich habe selbst schon Stangen gefunden, die halbseitig völlig aufgefressen waren.
00:16:55: Man wird nicht für möglich halten wie schnell das wirklich geht.
00:16:58: aber auch hier war man natürlich bestrebt diese Materialien einzusammeln und zu verwenden.
00:17:03: und auch durch den Jagd die man ja dann doch betrieben hat wenn auch in sehr geringem Maß sind natürlich Knochen von Wildtieren erreichbar gewesen.
00:17:13: und das war insofern interessant weil die Knochern von Wildtier oft härter waren als die von domestizierten Tieren.
00:17:21: Also gerade im Jungneolitikum, während klassisches Beispiel so ein Knochenmeißel zur Holzbearbeitung von einem großen Hirsch oder von einem Auerox ist sicher härter und strapazierfähiger wie einen Knocheneißel aus einer Kuh, die man selbst getogen
00:17:38: hat.
00:17:40: Gab es demnach Geweihe, den man besonders gern verwendet hat?
00:17:44: Ja natürlich und hier ist in unserer Gegend vor allem der Rotier zu nennen, aber auch Elch spielt eine Rolle.
00:17:51: Und natürlich die sogenannten Kriegerl von den Reböcken.
00:17:55: Je nachdem was man machen wollte nicht.
00:17:57: Gewei ist im Unterschied zu Knochen ein etwas anders von den Eigenschaften.
00:18:02: Sie dürfen sich den Unterschied zu vorstellen.
00:18:05: wenn Wenn Knochen das Porzellan ist, dann ist Geweih das Hartplastik.
00:18:10: Also Geweis Elastischer ist etwas weicher aber verzeiht viel mehr nicht?
00:18:15: Also wenn sie zum Beispiel einen Kamm schnitzen und der ist aus Knochern und der fällt ihnen zu Boden auf einem Stein wird er zerbrechen wie Glas!
00:18:24: Wenn dass ein Kamm aus Geweihe ist dann hält er das auf.
00:18:27: Und so hat man sehr genau gewusst, für welche Materialien oder für welche Gerätschaften braucht man sehr hartes sprödes Material.
00:18:35: Dann hat man eher zu Knochen tendiert.
00:18:38: Oder wo soll es eher doch auch ein bisschen elastisch sein?
00:18:41: Da hat man dann eher Geweih eingesetzt.
00:18:44: aber auch hier gilt wie beim Holz.
00:18:46: Man hat sehr früh sehr genau bewusst, welche Materialian hier für welche Verwendungen am allerbesten sind und man hat ja auch ganz genau unterschiedlich Knochen und Geweih von jungen Tieren, älteren Tieren oder sehr alten Tieren.
00:19:02: Auch das macht einen Unterschied in der Qualität und den Eigenschaften der Materialien.
00:19:15: Beim Geweih ist es so, dass natürlich die Geweihe von älteren Tieren schon härter sind und strapazierfähiger sind.
00:19:22: Weil hier die Geweihe natürlich auch noch viel mehr für den Prumpfkampf eingesetzt sind und der Knochenbau abgeschlossen ist.
00:19:29: ein junges Tier muss noch relativ viel Kalk und andere knochenbildende Rohstoffe in seinen eigenen Knochanbau investieren.
00:19:37: da bleibt nicht zuviel für das Geweie über.
00:19:40: bei den Knochens ist überhaupt so die am härtesten sind, wenn dann die Epifysenfugen geschlossen sind.
00:19:46: Sprich wenn das Tier adult ist also erwachsen ist Dann sind die Knochen erst richtig strapazierfähig.
00:19:53: Wenn sie einen Servietten-Ring schnitzen ist es nicht so wichtig.
00:19:56: aber wenn Sie ein Knochemeißel oder einen Primm machen mit dem sie auch richtig hart arbeiten wollen dann macht das einen großen wichtigen Unterschied und das hat man ganz genau gewusst.
00:20:08: Da bin ich gleich bei meiner nächsten Frage Welche Knochan hat man bevorzugt?
00:20:14: Ja, man hat sich natürlich gewünscht möglichst große Knochen, möglichst dicke Warnstärken wo man auch dann Ressourcen hat um auch stärkere Gerätschaften zu machen.
00:20:24: und da landet man sehr schnell bei den Extremitäten-Knochen von sehr großen Tieren.
00:20:28: Sprich bei den Läufen von Hirschen, von Aueroxen oder eben auch vom großen
00:20:35: Wildschweinen.
00:20:38: Es gab natürlich noch andere Materialien wie Zähne, Muscheln, Elfenbein.
00:20:44: Wie wichtig waren diese Materialien?
00:20:48: Diese Materialien waren ebenfalls sehr beliebt und da kommen jetzt aber schon ein bisschen in einen anderen Bereich.
00:20:53: Und das würde ich eher so sehen auch als Bereich, wo Jagdtrophäen eine große Rolle spielen nicht?
00:21:00: Da kommen wir jetzt auch in Schamanismus und Animismus also die Vorstellung dass man die Kraft eines gejagten Tieren in irgendeiner Form selbst haben möchte.
00:21:11: Die gibt es ja heute noch und darum hängen sich Jäger Gamsbärte an die Hüte oder so weiter.
00:21:17: Das lebt noch in unserer Kultur und so war es auch früher, indem man die Zähne von Bären oder von Wildschweinen oder Klauen auch oder andere Teile von ihnen als Schmuck verarbeitet hat.
00:21:29: Oder so wie sie waren einfach gedurchlocht und als Amulett getragen hat, hat man sich gewünscht dass ein Teil der Kraft dieser Tiere auf einen selbst übergehen möge.
00:21:38: beziehungsweise wollte man natürlich der Welt auch zeigen wenn man an großen Beeren erlegt hat.
00:21:43: das muss man sich ja erst mal trauen.
00:21:44: also ich weiß nicht ob ich mich trauen würde.
00:21:48: Die Menschen haben also all diese Materialien verwendet, aber wie haben sich die Bearbeitungstechniken von der Steinzeit bis zur Eisenzeit verändert?
00:21:58: Ja das ist wieder eine ganz spannende Frage und trifft natürlich völlig ins Schwarze nicht.
00:22:05: Im Neolithikum sind die Grundtechnik vor allem Schleifenschaben kratzen.
00:22:11: Auch die Formen der Geräte schauen so aus, wie man sie durch Schleifenschaben und Kratzen erzeugen kann.
00:22:17: Die sind sehr windkanalgängig, langsinnig, dünn, geschmeidig oft auch sehr ästhetisch.
00:22:25: Ich habe die Erfahrung gemacht wenn ein Werkzeug sehr äesthetisch ausschaut dann funktioniert es meistens auch gut, also das ist nicht immer so aber meistens.
00:22:33: Das ist schon mal schön und mit dem Aufkommen von Metall als Werkstoff sprich Kupferbross später Eisen war es natürlich auch viel einfacher jetzt schärfere Kanten zu machen breitere Verzierungsspektren anzudenken durch Lochungen anzubringen womöglich dann auch Gerätschaften aus mehreren Teilen zusammenzufügen.
00:22:58: durch die Zeiten, die Handwerkstechnologie immer komplexer und vielfältiger geworden ist.
00:23:04: Wenn natürlich die Grundelemente, die bereits im Paleolitikum entwickelt waren, natürlich immer mitgeschwungen haben und nach wie vor Geltung und Bedeutung
00:23:13: hatten
00:23:13: – also auch der Brosszeitmensch und der Eisenseitmensch haben noch viel geschlafen und gekratzt.
00:23:23: Meine nächste Frage wäre, welche Gegenstände hat man im Paleolithikum und Mesolitikum als Knochen- und Geweih hergestellt?
00:23:31: In der Zeit der Jäger und Sammler war das natürlich ein sehr beliebtes Material für Jagdwaffen.
00:23:38: Man hat hier schöne Spitzen gefunden von Speeren, von Pfeilen, man hat hier auch Harponen gefertigt zum Teil unglaublich aufwendig mit Zähnen, mit Absplätzungen, mit Durchlochungen dass man das an Stricken befestigen konnte.
00:23:54: Es gibt hier auch Speerschleudern, ganz toll gearbeitet und ganz fein geschnitzt.
00:24:00: Weil die natürlich ein höheres Gewicht hatten als wie solche ausholten und dadurch den Schuss mit dem Speer noch effektiver gestaltet haben.
00:24:11: Im Neolithikum der Jungsteinzeit hat man wahrscheinlich andere Gegenstände gefertigt?
00:24:16: Welche?
00:24:19: In der Zeit der ersten Bauern hat man neben Jagdwaffen auch andere Gerätschaften benötigt.
00:24:26: Wir kennen hier lustigerweise die ersten Kämme, also wunderschön mit drei vier fünf sechs Zinken sehr hübsch gearbeitet zeigen auch schon Verzierungen.
00:24:36: wir kennen hier Muschelschmuck Perlen, Armbeinder, solche Dinge.
00:24:40: Wir kennen hier dann auch bereits Knöpfe die sehr fein verziert sind, unglaublich feind durch Loch sind wo man sich wirklich fragt wie man das mit Spitzen aus Feuerstein so feien hinkriegen kann.
00:24:51: aber die haben das gekonnt und wir können da natürlich ein ganzes Spektrum von von verzierten Tierzehnen die man wiederum eben als Amulette- und Glücksbringer getragen
00:25:02: hat.
00:25:04: Und welche Gegenstände kennen wir aus der Bronzezeit oder Eisenzeit?
00:25:10: In der Brossezeit und in der Eisenzeit sind die Gegenstände sehr vielfältig.
00:25:14: Also wir fallen da ein, Schmuckperlen ab der Eisen Zeit auch bereits getrexelt den Vielfältiger Art und Weise.
00:25:22: Es gibt kleine Püxiden, in denen man zum Beispiel Salz aufbewahrt haben könnte oder lieb gewonnene Medikamente oder vielleicht auch irgendwelche Rauschmittel die so im Sinn von Schnupfderbackdosen wie das bis in die jüngste Vergangenheit üblich war.
00:25:38: Wiederum spielen natürlich Waffen, Werkzeuge eine große Nadel.
00:25:41: was ich zuerst noch vergessen habe.
00:25:43: auch Neenadeln wurden eigentlich seit dem Paleolithikum aus Knochen und Geweihe gemacht und Neen waren natürlich ganz etwas wichtiges nicht?
00:25:53: Und so ist die Neenadel sicher eine der ältesten Erfindungen der Menschheit die bis heute noch eine ganz ganz wichtige Rolle spielt!
00:26:02: Du führst ja Experimente im Rahmen der Experimentalarchäologie selbst durch und ich nehme an, du hast sicher auch ein Lieblingsexperiment für Holz.
00:26:11: Kannst du uns ein bisschen was darüber erzählen?
00:26:15: Ja da darf ich gleich in Aspen bleiben.
00:26:17: also eines meiner wirklich absoluten favoritisierten Lieblingsexperimente war den Nachbau eines bandkiramischen Brunnen und den ersten haben wir hier eben ins Schlätz gebaut.
00:26:31: Ganz utopische Vorstellung nicht.
00:26:35: Mit dem Fund des Brunnen von Erkalenz-Klikofen ist eigentlich eine ganze neue Welt aufgemacht worden.
00:26:41: Bis dahin hatte man sich die Holzbearbeitung der ersten Bauern mehr so vorgestellt, dass man Rundhölzer mit Lianen verbunden haben könnte.
00:26:49: und dann ist in der Nähe von Köln eben dieser unglaubliche Befund aufgetaucht wo radial gespaltene Eichenbohlen die flächig überarbeitet sind somit einander im Blockbau gefügt wurden das eine innere Erholraum drei Meter Seitenlänge entstanden ist.
00:27:06: Also es war ganz unglaublich, das ist vielleicht so wie wenn sie in einem mittelalterlichen Turm ganz unten einen Laptop finden.
00:27:13: also so endlich war diese Erfahrung für die Archäologie.
00:27:17: wir hatten bis dahin die Menschen der ersten bäuerlichen Kulturen völlig unterschätzt und wir hatten dann eben die Einladung vom Dr.
00:27:26: Wendel diesen Brunnen hier im Museum nachzubauen mit Werkzeugen aus Steinknochen und Holz Lunte gelegt.
00:27:35: Das war einfach unglaublich spannend hier Bäume zu fällen, Bäume abzutrennen mit Holzkeilen diese zehn Eichenstämme aufzuspalten und tatsächlich haben wir es geschafft mehr als drei Meter Höhe von diesen Brunnen so zu rekonstruieren dass man auf Bildern unser Produkt kaum vom Original unterscheiden kann.
00:27:56: das ist eine Arbeit gewesen auf die bin ich wirklich heute noch stolz.
00:28:02: Ich hätte auch bitte gerne noch ein Beispiel für ein Experiment mit Geweih.
00:28:07: Auch hier darf ich in der Region bleiben, ich habe in jungen Jahren mal Chemme aus dem Frühmittelalter nachgebaut die sogenannte Kompositchemme aus drei Lagen.
00:28:19: es ist so aus Hirschgeweih bekommt man ja keine besonders großen Platten raus.
00:28:24: darum hat man sehr früh gelernt dass man da unterschiedliche Teile zusammenfügt um dann doch größere Teile bauen zu können.
00:28:32: Bei Kämmern ist es sehr wichtig, dass die Zähne genau in der Wuchsrichtung des Geweißgeschnitten sind und darum hat man Plattenreihen aus mehreren Geweihplättchen zusammengesetzt und die Links- und Rechtsmitbügeln zusammengehalten, die dann mit Metallnieten verbunden wurden.
00:28:49: Erst dann konnten die Zähne eingesägt werden und dann hat man diese Kämme auch verziert – mit Ritzlinien, die oft mit einer schwarzen Masse aus Wachsharts und Kohlenstaub ausgefüllt waren.
00:29:01: Und hier habe ich eben in jungen Jahren nach Funden aus Schlett zwei dieser Kämmer nachgebaut.
00:29:06: Das war meine erste Arbeit, publiziert worden ist und bis heute denke ich sehr gerne an diese Arbeit zurück.
00:29:14: Und man darf natürlich nicht vergessen, dass hier wahrscheinlich auch die Bekämpfung von Ungeziefer in den Hahn eine große Rolle gespielt hat, die natürlich in der Ur- und Frühgeschichte durchaus ein verhandener Faktor
00:29:26: war.".
00:29:39: Heute in der Prechhistorischen Forschung.
00:29:43: Ja, ich glaube dass wir heute schon an einem Punkt sind wo... die meisten Kollegen erkannt haben, dass Experimente in der Archäologie sehr sinnvoll sind und dass wir viele Fragen, die wir sonst eigentlich niemals beantworten könnten simulieren können.
00:29:58: Und hier auch Antworten finden können indem wir uns einfach selbst in die Situation versetzen mit eigenen Händen und Techniken einer bestimmten Zeit die Dinge wieder zu bauen, die Wir aus dem Boden kennen.
00:30:10: Wir erzeugen hier quasi ein Vergleichsmaterial dass hundertprozentig authentisch ist und hier wird erst es möglich, dass man wirklich sich das Alltagsleben der Menschen in der Vergangenheit so richtig vorstellen kann.
00:30:26: Danke Wolfgang für die sehr interessanten Gespräche!
00:30:31: Ja ich darf mich im Gegenzug für die Einladung bedanken.
00:30:34: jederzeit gerne wieder und ich freue mich wenn wir uns vielleicht mal im Museum in Aspen treffen werden.
00:30:40: Ihr könnt Wolfgang Rubisser auch hier persönlich bei unserem Museum antreffen.
00:30:44: er hält Handwerkskurse ab hält Vorträge, macht Werkzeugpräsentationen oder nimmt bei Experimenten im Rahmen der experimentellen Archäologie in unserem Freigelände in Schloss Aspernanderzeier teil.
00:30:59: Wer neugierig geworden ist, der besucht uns im Mammonschloss Aspenanderzeia und Museum Misselbach live.
00:31:05: alle Infos zu eurem Besuch www.mamons.at.
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