Vom Steinbeil der ersten Bauern zur Eisenaxt der Kelten

Shownotes

Einblicke in die Entwicklung der Werkzeuge

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00:00:14: Hallo, mein Name ist Andrea.

00:00:16: Ich bin Teil des Teams im Mammoths – dem Museum für Urgeschichte und historische Archäologie in Schloss Aspern an der Zeyer und Mistelbach.

00:00:25: Im Mammoths Podcast beschäftigen wir uns mit vierzigtausend Jahren Menschheitsgeschichte.

00:00:32: Diese Folge ist eine besondere!

00:00:34: Denn sie ist Teil einer Reihe mit insgesamt drei Episoden.

00:00:39: Mein Gesprächspartner in diesen Episoden Er ist gelernter Musikinstrumentenbauer und er hat sein Doktorat in Urgeschichte gemacht.

00:00:49: Ich freue mich Wolfgang, dass du heute da bist.

00:00:51: Grüß

00:00:51: dich!

00:00:53: Ja ich freue mich auch sehr über die Einladung Und gerade zu diesem Haus in Aspern verbindet mich ja seit dreißig Jahren sehr vieles, nicht?

00:01:02: Also als Student bin ich hier hergekommen und wurde dann später noch vom Herrn Dr.

00:01:06: Windl eingeladen im Museum tätig zu werden und das habe ich eigentlich bis heute so praktiziert.

00:01:12: und ich freue mich immer noch wenn ich geholt werde um neue Häuser zu bauen oder mittlerweile auch um Häuser die wir vor zwanzig-dreißig Jahre angebaut haben wieder entstandzusetzen oder zu

00:01:22: renovieren.".

00:01:24: Diese Folge trägt den Titel vom Steinbeil der ersten Bauern zur Eisenachster Kälten.

00:01:30: Sie beschäftigt sich also quasi mit der Holzbearbeitung durch die Jahrtausende, während sich die zweite Folge der Jungsteinzeit widmet und die dritte Folge die experimentelle Archäologie behandeln wird.

00:01:44: Wolfgang, du leitest eine Arbeitsgruppe, die sich mit archäologischen Experimenten zu Holztechnologie- und Holzarchitektur in der Uhr- und Frühgeschichte beschäftigt?

00:01:57: Du konzipierst, planst und errichtest aber nicht nur Holzgebäude dieser Zeit.

00:02:02: Sondern du baust auch urgeschiedliche Werkzeuge und Gerätschaften nach und testet diese in der Praxis ob und wie sie funktionieren.

00:02:12: Wir kennen unterschiedliche Befunde aus der Urgeschichte.

00:02:15: Was versteht man eigentlich unter Holzbearbeitung?

00:02:20: Ja, wir sprechen in der Archäologie.

00:02:22: In der Regel von Steinzeit, Brosszeit und Eisenzeit müssen uns aber doch vor Augen führen.

00:02:27: es war eine Wirklichkeit immer eine Holzzeit also es waren stets deutlich mehr als neunzig Prozent aller Gegenstände Gebäude und anderen Dingen, die der Mensch erzeugt hat.

00:02:36: Aus Holz oder Holzeähnlichen Materialien angefertigt wie Rinde oder Basten.

00:02:43: Also eigentlich ohne Holz wäre der Mensch niemals nach Europa gekommen.

00:02:48: Und ich bin im Salzkammergut aufgewachsen in der Werkstatt meines Vaters In einer Holzwerkstatt, so war Holz eigentlich das erste Material dass mich ganz massiv geprägt hatte.

00:02:58: Ich bin als Kind unter der Hubelbahn gesessen und habe da rein nachgeschaut, welche Späne herunterfallen.

00:03:04: Und mit der Zeit habe ich gelernt auch irgendwie zu treuten, welche Arbeiten mein Papa gerade durchführt und so dieses Beobachten der Spänen.

00:03:12: das mache ich eigentlich bis heute nicht.

00:03:14: mich interessiert dieser Weg des Holzes von der Steinzeit bis hin zu feinsten Handwerken im Geigenbau oder im Gitanbau und dass macht mir bis heute große Freude hier Studien in praktischer Art und Weise dazu zu treiben.

00:03:31: Was wissen wir über die Holzwerkzeuge der ersten Bauern?

00:03:34: Kannst du uns etwas darüber erzählen?

00:03:39: Die Zeit der ersten Bauer sprechen wir vom sechsten Jahrtausend vor Christus.

00:03:44: Und die Werkzeuge waren aus Steinholz und Knochen, es gab noch kein Metall, kein Kupfer und schon gar keinen Bronze.

00:03:51: von Eisen brauchen wir gar nicht.

00:03:52: reden also Wo Materialien Stein und Knochen waren, die härtesten Materialien, die diesen Menschen zur Verfügung standen.

00:04:01: Und hier hat man gelernt scharfe Kanten an diesem anzubringen.

00:04:05: Das war natürlich nicht irgendwelche Knochern oder auch nicht irgendwellches Steine sondern man hat hier experimentiert und sehr bald die härtesten Gesteine heraus gefiltert.

00:04:15: Die mussten sehr C sein, die mussten sie hart sein durften aber nicht so spröde sein dass sie bei extremer Belastung gleich zerspringen.

00:04:24: sehr Bentiniten oder Amphiboliten gelandet.

00:04:27: und hier ist es schon sehr erstaunlich wie Diese Rohmaterialien durch Schleifen mit Quarzsand, Durchschleifen auf Steinplaten durch Polieren mit feinen Schleifpasten aus feinstem Quarzsannt wirklich auf Hochglanz gebracht werden konnten.

00:04:43: Und es ist auch erstaunlich wie effektiv die waren und das gleiche gilt auch für die Knochenklingen Die natürlich in erster Linie aus den Extremitäten von sehr großen Tieren Wie Auerox, Hirsch oder Beer gemacht worden.

00:04:58: Ich sehe, du hast uns einige Werkzeuge mitgebracht.

00:05:01: Kannst Du uns ein paar davon beschreiben bitte?

00:05:05: Ja das mache ich sehr gern!

00:05:07: Für mich persönlich sehr erstaunlich war es zum Beispiel... sich dieses Bild verfeinert hat.

00:05:15: Also als ich vor dreißig Jahren fast hier den ersten Brunnen gebaut habe, da war für mich die Steinzeit und die Werkzeuge waren aus Stein.

00:05:23: Heute kann ich sehr genau distinguieren welche Steinklingen gehören in die Zeit der ersten Bauern?

00:05:29: Welche gehören ins Mittelneolitikum und welcher sind eher entneolitisch?

00:05:33: Und hier ist ganz spannend dass zum Beispiel die ersten Bauern eigentlich nur Däckselklingen hatten.

00:05:39: Das heißt, alle Klingen waren so auf Holzschäfte aufgebunden, das die Schneiden quer... zur Hiebrichtung verliefen.

00:05:49: Und sehr spannend auch, das wissen wir erst seit wenigen Jahren, dass manche dieser Schäftungen offene Winkel hatten.

00:05:55: Also das waren Knieholzschäftungen.

00:05:57: die hat man geerntet von Bäumen, die winkelig gewachsen waren.

00:06:01: meistens ist der Holm also der Stil aus Stamm.

00:06:04: Material und die Klinge ist auf einen abstehenden Ast aufgebunden kannten wir aus den Bergwerken von Hallstatt und Rundhalleien, vor allem aus der Metallzeiten mit Spitzenwinkeln.

00:06:18: Aber aus Brunnenfunden verschiedener Fundorte in Deutschland wissen wir es gab auch offene Schäftungen und in der Praxis haben sich die als sehr effektiv gezeigt.

00:06:30: Gut aber ich sehe da hast du uns noch einige andere Exemplare mitgebracht.

00:06:34: das eine da würde mich noch interessieren kannst du uns das auch ein bisschen was darüber erzählen?

00:06:40: Das wäre jetzt wieder ein Dexel, aber der Dexels so wie wir uns für die mittlere und spätere neulitische Zeit vorstellen dürfen.

00:06:47: Denken wir an spieze Winkel.

00:06:49: Sie sehen den Unterschied oder du siehst den Unterschied.

00:06:52: und während man in der Zeit der ersten Bauern mit dem Dechsel wirklich alles gemacht hat, also vom Fällen der Bäume zum Abtränen bis hin zu einem Gletten der feinen Oberflächen wobei man hier schon etwas unterschiedliche Klingentypen hatte, also zum Fellen- und Abtrinnen gab es vor allem sehr hohe die aber dafür sehr schmal waren, also diese schwere Geräte waren mit kleinen Schneidenbereichen so etwas verwendet hat wie das Stück, was ich jetzt gerade in der Hand habe.

00:07:20: Also eher kleine Klingen die breitere schneiden haben, die man sehr gut zwischen den Beinen durchschwingen lassen kann und es ist erstaunlich wie fein man Oberflächen, Spaltflächen oder auch andere mit diesen Klingen wirklich bearbeiten kann.

00:07:35: also wir kennen auch Schneidebretter oder die Wände von Brunnenkästen aus dieser Zeit die ganz erstaundliche Oberfläche aufweisen.

00:07:44: im Mittelneolitikum Jung Neolithikum ist es dann so, dass man eigentlich zum Fällen und zum Abtrennen schon andere Werkzeugtypen kennt.

00:07:52: Und der Däcksel bleibt dann eigentlich bis ins Mittelalter rein das klassische Werkzeug um Oberflächen herzustellen, um feine Glätungen durchzuführen oder auch in der Bildhauerei oder im Schiffsbau wo's um krumme Flächen geht oder um gewölbte Formen.

00:08:10: dort ist der Dächsel das Mittel der Wahl.

00:08:16: verändert sich das bei uns so, dass man im Mittelneolithikum dann vor allem gelochte Steine hat wo man hinten auch mit Schwärmgerät, mit Holzkräulen oder Holzhämmern aufschlagen kann.

00:08:27: die sehr effektiv sind.

00:08:29: und im Endneolithikum entwickelt sich dann das Gerät, was ich jetzt in meiner Hand halte.

00:08:34: Das ist eine schön geschliffene Klinge aus Amphibulit, die in einen Eschenstil eingelassen ist also im Mittelneolithikum.

00:08:42: interessanterweise hat man ein Loch in den Stein gemacht um den Holzstiel durch den Stein gesteckt.

00:08:48: Im Endeholithikum steckt man nun den Stein durch das Holz.

00:08:52: Und das sind die Klingen, die dann letztlich die Vorbilder für die Metallzeiten gebildet haben.

00:08:56: also das hatten die Menschen vor Augen als sie den ersten Kupferklingen hergestellt

00:09:01: haben.

00:09:02: Das bringt mich gleich zu meiner nächsten Frage wir kommen langsam in die Kupferszeit und hier kommt langsam auch das Metall dazu.

00:09:11: welchen Vorteil hat Kupffer gegenüber anderen Materialien wie dem Stein zum Beispiel?

00:09:17: Naja es ist so.

00:09:20: Die Kupferzeit zählen wir in der Archäologie heute eigentlich noch zum Neolithikum.

00:09:24: Es ist das Endneolithikum, dauert fast tausend Jahre und Kupferklingen haben natürlich den großen Vorteil.

00:09:31: man kann sie viel steiler anschleifen, man bekommt feinere Schnitte.

00:09:35: Man kann die Schneide auch viel leichter nach Beschädigungen wieder in Stand setzen durch Nachdenkeln oder Durchschleifen was beim Steinen auch möglich ist aber halt mit gewissen Grenzen.

00:09:47: Das andere Problem beim Kupfer war aber wieder, man hatte am Anfang gar nicht die großen Mengen um so große Geräte herzustellen.

00:09:54: Darum sind die ersten Kupferklingen, die wir haben eher sehr fein und zierlich.

00:09:59: Und ich glaube, wir werden nicht fehlen gehen wenn wir schon annehmen dass man Kupfferklingen am Beginn vor allem verwendet hat um sehr feine Dinge herzustellern.

00:10:08: Um Schüssel zu schnitzen, um Bögen zu schniessen, um Gerätschaften des täglichen Lebens zu erzeugen.

00:10:15: Erst mit der Zeit mehr Metall auch zur Verfügung gehabt, sodass man auch schwere Klingen erzeugen konnte die dann auch wirklich zum Baumfällen herangezogen werden konnten.

00:10:28: Gehen wir weiter in der Zeit?

00:10:29: In die Bronzezeit!

00:10:31: Die Bronze ist ja eine Legierung von Kupfern Zinn und sie ist wesentlich härter als Kupfer.

00:10:36: Kupfe wie auch die Bronze werden gegossen.

00:10:39: Lass uns ein bisschen über die verschiedenen Gusstechniken sprechen.

00:10:45: Ja, gerne!

00:10:46: Vorher möchte ich noch ein kleines Detail anmerken.

00:10:49: Ich habe hier zum Beispiel einen Stemmeißel aus Knochen und hier habe ich einen Stämmeißl aus Brosse und hier wäre ein Stemmmeißler aus Eisen.

00:10:58: Sie sehen die Formen sind relativ vergleichbar.

00:11:02: also man hat die Form im Neolithikum entwickelt und dann einfach adaptiert in den neuen Materialien.

00:11:08: was sich aber ändert Von Knochen zu Bross und von der Brosse zum Eisen wieder ist der Schneiderwinkel.

00:11:15: Der wird immer steiler und immer schärfer, damit ändert sich natürlich auch die Effektivität.

00:11:21: D.h.,

00:11:22: die Brosse ist deutlich wirksamer als der Knoche und das Eisen ist noch einmal ein bisschen wirksammer als die Brose selbst.

00:11:31: Und jetzt zur eigentlichen Frage.

00:11:33: diese Techniken der Gisserei waren natürlich am Beginn sehr einfach!

00:11:40: Und es war ja schon ein großer Wurf herauszufinden.

00:11:43: dass man Kupfer bergmännisch gewinnen konnte, sprich aus dem Mineral gewinnen durch einen relativ aufwendigen Verhütungsprozess.

00:11:51: Man kannte ja Kupfe schon vorher weil es ähnlich wie Gold auch als sogenanntes Nacket in Flüssen vorkommt.

00:11:58: nur hat man mit diesen Nackets am Beginn noch gar nicht sehr viel anfangen können, weil die halt relativ klein waren.

00:12:04: Man hat sie manchmal flach geschlagen und eingerolt und so kleine Kupfapirlen hergestellt.

00:12:09: Die kennen wir lustigerweise seit der Mittelneolitik kommt.

00:12:11: aber bis man dann wirklich auf die Idee gekommen ist, dass man mehrere dieser Nuggets aufschmelzen kann.

00:12:17: Dass sie bei hohen Temperaturen flüssig werden zusammen schmelzen und das man die dann in eine Form gießen kann ähnlich wie man zu Silvester Blei gießt nicht?

00:12:27: Das hat wirklich mehr als tausend Jahre gedauert!

00:12:30: Und die ersten dieser Formen waren meistens ganz einfache einschalige Fussformen manchmal auch nur im Lehm getrückt, manchmal in Stein gearbeitet oder wahrscheinlich auch In gebranntem Ton, und hier hat man im sogenannten einschalen Gussverfahren dann diese Klingen reingegossen.

00:12:49: Die ersten Kupferklingen wurden – und dafür sprechen viele Befunde nach dem Gießen auch noch massiv durch Kaltschmieden weiter deformiert und in ihre Endform gebracht, also die feinen Kanten.

00:13:02: Und später in Richtung Brostzeit hin.

00:13:05: diese Randleisten sind eigentlich durch Kalschmiede aufgebracht worden.

00:13:10: Und schon das Ötzibeil hat diese Randleistung.

00:13:13: sprich wenn man sich den Querschnitt langrechtäckig vorstellt dann gibt es an den Ecken ganz leichte Wülste die nach oben stehen in Richtung der Breizeiten und das entsteht durch dieses Kaltschmieden.

00:13:26: Und dann hat man entdeckt, dass durch diese kleinen Wülste die wir Randleisten nennen, das Gerät nun viel besser in der Schäftung haftet.

00:13:35: So hat man dieses Element verstärkt.

00:13:40: Kupferzeit werden dann im Laufe der Brossezeit diese ganz massiven Rand leisten und in der späten Brosszeit entstehen daraus richtig Lappen.

00:13:49: Wir sprechen dann vom Lappembeil, das ist sehr geeignet um eben die Klinge am Holzschaff zu halten.

00:13:58: Wir kennen lustigerweise dann in der Spätenbrossezeit auch Beile wo Tüllen dran sind, aber ich will jetzt gar nicht vorgreifen.

00:14:06: Bleiben wir bei den Gusstechniken.

00:14:08: Neben dem einschalen Guss gibt es dann irgendwann den zweischalen Guß.

00:14:12: Man kommt drauf wenn man zwei Schalen macht so... ähnlich wie ein Weihnachtsmann oder eine Osterhose aus Schokolade, wo man die dann meistens stehend gießt.

00:14:22: Das heißt an einer Seite belässt man einen Trichter, das flüssige Metall eingießen kann.

00:14:28: Dann wird die Form präziser und man kann auch das Gussverhalten besser steuern.

00:14:34: Die finden wir manchmal.

00:14:38: Später dann Richtung späte Brostzeit, schon fängt aber ein bisschen früher an gibt es noch die dritte wichtige Gussmethode.

00:14:45: das wäre das Wachsausschmelzverfahren nicht.

00:14:48: man hat dann einfach die Dinge die man sich aus Metall gewünscht hat vorher in Wachs geformt.

00:14:53: Das Wachsh hatte man von den Bienen und hier wird auch ganz klar dass die Bienenhaltung in der Brostheit immens wichtig gewesen sein muss denn man brauchte das Wax für die Metalltechnologie.

00:15:05: was ich gelernt habe von Freunden aus der experimentellen Archäologie, die sich auch mit Imkerei beschäftigen.

00:15:10: Man kann das steuern ob Bienen mehr Honig, mehr Wachs oder mehr Propolis erzeugen je nachdem wie man den Stock anlegt und so können wir schon davon ausgehen dass die Imker der Brostzeit ganz massiv auf Wachshin gearbeitet haben.

00:15:26: Dieses Wachs wurde nun geformt, so wie man sich das Werkzeug gewünscht hat und dann hat man dieses Wach in Lehm eingepackt aber nicht grob sondern in viele verschiedene Schichten.

00:15:38: In der ersten zwar noch sehr feine Schlickerschichten wo man auch Fasermaterialien einbinden konnte, Tierhaare oder Menschenhaare diese Form aufgebaut und eigentlich wahrscheinlich eher sehr locker, sehr porös.

00:15:55: Dass dann auch die Gase, die beim Guss entstehen durch diese Wandung noch ein bisschen ausdampfen können.

00:16:02: aber wir gehen auch davon aus dass es auch bereits Gusslunker gab das heißt an der Oberseite musste es einen Trichter geben wo man eingießen konnte und unten gab's Guss So Gusspfeifen, das waren lange dünne Kanäle wo quasi die Luft raus kann wenn das Bronze in die Form rein kann.

00:16:23: Wenn es da einen Stau gibt dass die Luft ihnen staut und nicht raus kann dann brutzelt und bruttelt die Form wird nicht vollständig ausgefüllt Und das schaut eigentlich nicht so schön aus.

00:16:35: Wenn man jetzt so ein Wachsmodell anfertigt, muss man natürlich diesen Gusstrichter und diese Gusspfeifen bereits auch im Wachsmitformen damit sie später in der Form auch drinnen sind.

00:16:47: Und dann wird das wenn das eingepackt ist in diese verschiedenen Lehmschichten vorsichtig erhitzt und jetzt kann man das umdrehen und durch den Drichter läuft dann das Wachswieder raus.

00:16:58: Man kann das auch rückgewinnen, man kann es auch mit einem relativ hohen Quote wiederverwerten.

00:17:03: Wachs war kostbar und man hat das nicht einfach weggelernt.

00:17:06: Und dann ist die Form leer und bei diesem Erwärmen wird sie auch etwas angebrannt.

00:17:11: Sie wird nicht durchgebrannt im Sinn von richtiger Keramik aber sie ist schon etwas härter als normal und in diese Form kann eigentlich die heiße Bronze eingeben Gossen werden und wir haben bei Experimenten gesehen, es ist sehr von Vorteil wenn die Form dabei heiß ist weil dann einfach dieser Schock denn das Metall erfährt wenn sie in die Form einfährt nicht so groß ist.

00:17:33: Und dass warme heiße Metall eigentlich die vorgewirmte Form viel besser ausfüllen kann als wenn die form kalt wäre.

00:17:43: Es klingt alles irrsinnig interessant.

00:17:45: Es würde mich noch interessieren, es entwickeln sich ja auch in der Bronzezeit die unterschiedlichsten Formen.

00:17:50: Wir können eigentlich vor einer Form viel falsch sprechen.

00:17:54: Kannst du uns da auch ein paar Beispiele dafür geben?

00:17:57: Ja, sehr gerne.

00:17:58: Wir haben im Laufe der letzten dreißig Jahre das Glück gehabt dass wir eingeladen wurden sehr viele unterschiedliche Zeitstellungen zu bespielen.

00:18:07: also wir haben Häuser aus der Steinzeit gebaut, aus der frühen Bronzezeit und aus der späten Eisenzeit auch aus dem Mittelalter Und so bin ich in der glücklichen Lage dass sich viele dieser Werkzeuge nachgebaut hat und sie auch in der Praxis testen konnte.

00:18:21: Im lauf der zeit ist mir da aufgefallen Die frühe und auch noch die mittlere Bronzezeit hängen vom Formenspektrum her noch relativ stark am Neolithikum.

00:18:32: Also man setzt die Formen, die sich im Neolithikum entwickelt haben weil sie effektiv waren, weil sie anwendbar war, weil Sie praktikabel waren in Metall um zuerst den Kupfer später in Bronze.

00:18:44: Und das Spektrum bleibt überschaubar.

00:18:46: Es gibt die großen Klingen, die finden vor allem als Beile eingesetzt.

00:18:50: kleinere Klingen kann man als Schnitzbeile oder als Dexel verwenden.

00:18:54: Es gibt natürlich auch schmale Meißel, breite Meißl.

00:18:59: Vor allem wird das immer aufwendiger.

00:19:03: Das heißt man darf davon ausgehen dass sich auch die Holstechnologie im lauf der Brossezeit massiv entwickelt und dass Steckverbindungen mit Keilungen, mit Sicherung durch Dübel immer wichtiger werden Auch im Hausbau nicht nur beim Bau von Gerätschaften.

00:19:21: Der große Wandel passiert dann aber eigentlich am Beginn der späten Bronzezeit.

00:19:25: in Zahlen ausgedrückt, bewegt sich das irgendwo zwischen thirteenhundert und zwölfhundert vor Christus.

00:19:31: Hier gibt es in ganz Europa und darüber hinaus Umweltzungen und hier kommen von Südosten neue Technologien auch in der Metologie zu uns.

00:19:40: Es werden jetzt Tüllen sehr beliebt, also man kann Holräume gießen.

00:19:45: Tülle nennt man diese Öffnungen an den oberen Enden von Werkzeugen und jetzt gibt es tüllen Maisel, es gibt tülle Äxte.

00:19:53: auch bei den Lanzenspitzen zum Beispiel spielt das eine sehr große Rolle dass man ein Loch hinten hat wo man den Stil rein stecken kann.

00:20:01: aber bleiben wir bei den Holzbearbeitungswerkzeugen.

00:20:04: Beginn der späten Bronzezeit merken wir, das Formenspektrum verbreitert sich deutlich.

00:20:10: Jetzt gibt es Schnitzmeißel mit gewölbten Schneiden und geraden Schneiden.

00:20:14: Es gibt Landzettförmige Meißel für sehr schmale Klingen.

00:20:18: die müssen dafür sehr hoch sein dass sie sich nicht verwenden bei der praktischen Anwendung.

00:20:23: Es gibts jetzt auch Ziehmesser Bequem auch Löcher mit größeren Durchmesser mit Metallbohren anfertigen kann.

00:20:35: Die Däcksel werden breiter, es gibt jetzt auch Lappentechsel und ... Diese Zielmesser, die ich erwähnt habe gibt es auch in sehr gerundeten Formen.

00:20:43: Und hier dürfen wir schon davon ausgehen dass sie vor allem natürlich im Bereich von Sehen für die Herstellung von einem Bäumen verwendet wurden.

00:20:52: man kann hier sehr schön die Innenflächen so glätten das das Fischernetz auch wirklich nirgends hängen bleiben kann.

00:20:59: aber auch für Schüsseln oder für Backtröge oder für Mobiliar sind die sehr geeignet denn man will sich ja keinen Schiefer einziehen, wenn man auf dem Brosszeit-Sessel sitzt.

00:21:11: Dann kommen wir schließlich zur Eisenzeit!

00:21:13: Eisen hat das Leben der Menschen nachhaltig verändert wie wir wissen.

00:21:17: Eisen wird aber nicht gegossen sondern geschmiedet und es kommt in der Eisenzeit zu einer Revolution im Holzbau.

00:21:24: Was ist die größte Revolution gewesen für dich?

00:21:28: Ja... Wenn ich so gefragt werde muss ich natürlich meinen Hit gleich vorne weg spielen den großen Trumpf also für mich Und das ist ein Ergebnis, das hat sich aus vielen Jahren praktisch tun und probieren und studieren und arbeiten ergeben.

00:21:44: Man darf sich vorstellen wenn ein Mensch der Steinzeit einen Haus baut wie so ein großes Langhaus unten mit dreißig Meter Länge.

00:21:53: da sind in etwa zehn bis zwanzigtausend Meter Bindematerialien drin.

00:21:57: also Schnüre, Seile, Stricke.

00:22:00: Und diese Strickel hat man aus dem Bast von Bäumen angefertigt.

00:22:04: vor allem Linde und Ulme waren hier sehr beliebt und das gilt eigentlich auch noch bis in die Brosszeit rein.

00:22:10: so ist es so.

00:22:11: wir sprechen heute noch von der Holzverbindung.

00:22:13: Also in unserem Wort steckt das noch drin dass man diese Tölzer verbindet.

00:22:18: dazu gehört auch das Bindematerial nicht.

00:22:21: In der Eisenzeit entwickeln die Menschen nun ein ganz spezielles Werkzeug Fast unscheinbar möchte man meinen, aber es ist wirklich der Löffelbohrer.

00:22:31: Also ein vorne spitzes Gerät, längliches Gerät etwa dreißig Zentimeter lang die schneiden sind links und rechts ausgeführt, platt und die Klinge selbst ist wie ein länglicher Löffell geformt.

00:22:45: und mit diesem Löffelpohrer kann man jetzt im großen Stil Löcher in Holzbohren mit Durchmessern rauf bis zu drei, vier Zentimetern und in diese Löche konnte man dann ein Holznegel einschlagen.

00:22:57: Das heißt im Laufe der Eisenzeit löst der Holznagel langsam sukzessive diese kilometerlangen Schnur-Bindungen ab.

00:23:05: Und wenn man weiß wie lang man braucht um diese Mengen an Schnur zu produzieren und wie flot es eigentlich geht Wenn man es kann dass man einen Holznagel erzeugt dann ist das eine Revolution im Holzbau, die interessanterweise bis ins zwanzigste Jahrhundert nach Christus angehalten hat.

00:23:22: Also bis dahin waren hier in Weinviertel zum Beispiel ländliche Wirtschaftsgebäude im Dachstuhlbereich mit Holznegeln abgebunden.

00:23:31: man sagt lustigerweise jetzt auch noch abbinden obwohl man jetzt eigentlich die Holznegel meint.

00:23:36: Jetzt stelle ich mir als sehr langfristigen Prozess vor.

00:23:41: Und wichtig bei den Holznegeln ist jetzt natürlich mehreres nicht, die müssen gespalten sein so dass man sicher sein kann das die Holzfaser von vorne bis hinten ungebrochen durchgeht.

00:23:53: und ganz wichtig ist auch der Holznagel muss vor der Verwendung.

00:23:58: Man darf einen trockenen Nagel in ein noch feuchtes Holz reinschlagen, das ist kein Problem.

00:24:04: Aber wenn man jetzt einen feuchten Nagel an einem trockenes Holz schlagen würde dann wird er nachdrucken und dadurch wird die Bindung locker werden nicht?

00:24:14: Und ich habe selbst Häuser gesehen aus der Volkskunde, wo die Holznägel übrig geblieben sind als der gesamte Dachstuhl verrottet war.

00:24:22: Man hat oft hier sehr harte Zehehölzer angeboten und haben sich natürlich Eichen, Eschen oder Ulmen.

00:24:29: Später kenne ich auch welche aus Zwetschgenholz oder Apfelholz?

00:24:34: Oder im Inneralpinnenraum aus Leerchen- oder Tannenholz also... Da haben wir eine Tradition, die lustigerweise auch wieder auf den ersten Bauern zurückgeht.

00:24:43: Also ich kenne einen Brunnen in Skroditz als Scherbitz wo der unterste Rahmen des Blockwannenbaus des Brunners mit Holznegel gefügt war.

00:24:55: Aber im Neolithikum mussten die Löcher für die Holznegel mit kleinen Knochenmeißeln vorgemeißelt werden.

00:25:02: Das war unglaublich aufwendig!

00:25:03: Also ich kann vier Löcher einen Brunnenkasten, kann auch in der Steinzeit schon meißeln aber ich kann nicht sechsthundert Löcher im Dachstuhl machen.

00:25:12: das geht nicht.

00:25:12: da braucht es den Löffelbohrer und deswegen ist aus meiner Sicht die große Revolution im Holzbau der Eisenzeit.

00:25:21: Danke Wolfgang für diese wirklich sehr wertvollen und wichtigen Informationen.

00:25:27: Es war sehr, sehr spannend jetzt mit dir darüber zu plaudern!

00:25:31: Wer neugierig geworden ist?

00:25:33: Der besucht uns im Mammuts Schloss Aspen an der Zeyer und Museum Misslebach live.

00:25:38: alle Infos zu eurem Besuch auf www.mamats.at.

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